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April 19, 2018

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Tumore bei Tieren

Wir haben während unseres Praktikums viele Patienten mit unterschiedlichen Arten von Tumoren kennengelernt. Am beeindruckendsten war eine Operation, die wir miterleben konnten: ein Berner Sennenhund wurde vorgestellt mit Gehproblemen, und während der Untersuchung wurde schnell klar, dass das Problem im Bauchraum – genauer an der Milz – lag.

 

Beim Röntgen ist aufgefallen, dass die Milz vergrößert und von komischer Form war. Da man im Röntgenbild das Innere der Milz nicht differenzieren kann, wurde eine Ultraschall-Untersuchung angeschlossen.

Die Milz war übersät von runden Herden!

Bei der Operation die am nächsten Tag stattfand, konnten wir dann die Milz in Natura sehen. Es waren ca. 20 Knoten größer als 2.5 cm und noch viele kleinere!

 

Tiere haben viele verschiedene Arten von Krebs. Die meisten Menschen denken bei Krebs sofort an Leid und Tod. Die Mediziner unterscheiden nach der Artigkeit (Dignität): es gibt gutartige Tumoren (benigne) und bösartige (maligne). Und viel dazwischen.

Kennzeichen von Bösartigkeit sind: Streuung (Metastasierung), Wachstum (in einer Kapsel oder infiltrativ), Differenzierung (wie weit die einzelnen Zellen entwickelt sind), Rezidivierung (Wiederkommen von Tumoren), Zellteilungsphasen (das wird im Mikroskop festgestellt).

 

Nach der Entfernung wurde als erstes nachgesehen, ob in der Leber oder sonst im sichtbaren Bauchraum noch Tumoren zu finden waren. Das Ergebnis war negativ, das bedeutet, dass keine Tumoren zu sehen waren.

 

Danach wurden die Tumoren gezählt und ein Teil der Milz wurde in Formalin fixiert (große Plastikdose mit stechend riechender Flüssigkeit wird den Tierärzten vom Pathologie-Labor zur Verfügung gestellt). Die Plastikdose wurde in eine dichte Plastikhülle verpackt, damit sie – wenn sie ausläuft – keinen Schaden macht. Das Labor wurde angerufen, um die Probe durch einen Kurier abholen zu lassen, und anschließend wurde das Päckchen mit der Probe deponiert.

 

Nach 2 Tagen wurde uns der Befund per Mail und Fax geschickt. Es handelte sich um ein Hämangiosarkom, einen sehr bösartigen Tumor der Blutgefäße. Diese Tumoren streuen sehr früh und führen oft zum Tod durch Verbluten, da sie sehr schnell aufbrechen.

 

Unser Patient erholte sich in den ersten Tagen sehr gut, doch dann verschlechterte sich sein Zustand rapide, und die Besitzer wollten, dass ihr Tier eingeschläfert wird, damit es nicht länger leiden musste. Vermutlich waren durch die vielen Tumoren die Abwehrkräfte schon so geschwächt, dass nicht sichtbare Tumoren aggressiv fortschritten (z.B. am Herz oder in der Lunge).

 

Nachdem die Besitzer zu Beginn enorm geschockt waren über die Diagnose, setzten sie sich intensiv mit dem Problem und ihrem Hund auseinander, sie lasen im Internet über diese Art Tumor und hatten am Ende Frieden mit der Entscheidung, ihr Tier einschlafen zu lassen. Er wurde zuhause mit einem Narkosemittel in Tiefstschlaf versetzt und ging ruhig und zufrieden.

Der Hund ist nur 5 Jahre alt geworden.

 

Im folgenden Text gehen wir genauer auf verschiedene Arten von Tumoren ein.

 

Wir konnten bei einem Kaninchen, das eigentlich kastriert werden sollte, an der Gebärmutter einen Tumor sehen; er wurde bei der Kastration komplett mit entfernt. Dadurch wurde die geplante Operation deutlich umfangreicher. Die Verdachtsdiagnose lautete Myom – ein gutartiger Tumor, der aber trotzdem sehr groß werden kann.

Tumoren, die auf -om enden, sind gutartig, Tumoren mit Endung -sarkom sind bösartig.

 

Einem 3-jährigen Golden Retriever wurde ein Krebsserum gespritzt, nachdem ein bösartiger Tumor des Eierstocks entfernt wurde. Der Tumor hatte eine Größe von 10 cm und war aufgebrochen, sodass in der Bauchhöhle sehr viel Blut vorhanden war. Das Serum wird aus dem eigenen Blut gewonnen, bestimmte Zellen, die der Körper zur Tumorbekämpfung einsetzt (dentritische Zellen) werden in Kultur angereichert und in einem Serum aufbereitet. Die Kosten für diese Behandlung betragen ca. 3000 Euro.

RÖNTGENBILD

 

Eine Katze 15jährig wurde vorgestellt mit einem dicken Unterkiefer. Nach der Sondierung (mit einem abgerundeten Metallstäbchen wird „gefühlt“, ob innen ein Hohlraum ist) war deutlich, dass es sich nicht um eine harmlose Vereiterung handelte, und es war nötig zu röntgen.

Zu sehen war auf dem Röntgenbild eine Auflösung des Unterkieferknochens durch einen Tumor.

 

Knochentumoren sind besonders gefürchtet bei sehr großen Hunden an den langen Beinknochen. Diese Tumoren sind extrem schmerzhaft und die Überlebenszeit beträgt meist nur wenige (4-8) Wochen.

 

Bei einer älteren Hündin mit „dicken Zitzen“ konnten wir viele Tumoren im Gesäuge fühlen, diese waren maximal 1 cm, manche nur hirsegroß und trotzdem fühlbar. Bei der weiteren Untersuchung wurde festgestellt, dass beide Seiten betroffen waren. Das bedeutet, dass die Metastasierung in die Lunge auch gut möglich ist, weil bereits die Körpermitte überschritten wurde. Die Körpermitte stellt eine völlige Barriere dar für Blutgefäße und dergleichen!

 

Besonders unangenehm war ein aufgebrochener Hauttumor bei einem alten Mischling. Durch das Aufbrechen nässt der Tumor großflächig und stinkt. Das Tier wollte sich nicht vom Besitzer waschen lassen und verlor über Wundsekret. Da der Besitzer sehr wenig Geld hat, kam eine Operation nicht infrage, insbesondere da die Aussichten durch Chirurgie nicht besonders gut waren, weil zuviel Gewebe vom Tumor angegriffen war.

Die Wunde wurde gewaschen und von Krusten befreit, im umliegenden Fell wurden die Krusten herausgekämmt. Es ist zukünftig nicht zu erwarten, dass die Haut wieder verheilt, weil der Tumor ja bereits die intakte Haut verdrängt hat.

 

Wir haben diesen Bericht geschrieben aufgrund der vielen Patienten, die wir gesehen haben. Tumoren können sehr unterschiedlich sein, und diese Patienten und ihre Besitzer brauchen sehr viel Einfühlungsvermögen und Fachkunde, um ihnen eine gute Entscheidung und Behandlung zu ermöglichen. Wir haben dazu gelernt was den Umgang mit schwer kranken Patienten und Angehörigen angeht und fühlen uns etwas kompetenter, wenn wir mit Leid und Tod konfrontiert werden.

 

 

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